Posted by on Thursday, October 23, 2014 in All, Ein Bild | 0 comments

 

CMOX_GAL_00085

 

Aufnahmedatum 11. September 2014, 17:30 Uhr
Aufnahmeort Mischelikirche, Reinach BL, Schweiz
Kamera Nikon D810
Objektiv Nikon 50mm f/1.4
Belichtung f/2.0, 1/1000s, ISO 100
Blitz
Postprocessing Lightroom, Nik SilverEfex, Nik Sharpener

 

Bildbeschreibung

Das monochrome, in gelblicher Tönung gehaltene Bild zeigt im Vordergrund die Teilansicht eines klassischen Brunnens mit rechteckigem Trog, Stock und dem aus Messing gefertigten Speier. Die einzelnen Tropfen des ausfliessenden Wasserstrahls treten kristallklar in Erscheinung und sind durch offenbar flach einfallendes Sonnenlicht glitzernd erleuchtet. Der Brunnentrog sowie der Stock sind aus hellem Jurakalk gehauen – nicht verwunderlich im Baselbiet. Die Oberfläche ist einigermassen grob strukturiert, ohne roh zu wirken. Im Hintergrund sind unscharf Büsche zu erkennen, deren Blätter wiederum das Licht der Sonne reflektieren. Zwischen dem Brunnentrog und den Büschen ist – ebenfalls unscharf – eine Bank zu erkennen, auf welcher eine junge Frau mit zur Seite gewandten Kopf sitzt.
 

Bildaufbau, Komposition

Das Bild erhält durch die streng geometrischen, hell zu Tage tretenden Formen und Linien des Brunnens einen klaren Aufbau. Es enthält sowohl in der Tiefe (durch die geringe Tiefenschärfe um den Speier) als auch flächig (horizontal und vertikal) klar voneinander abgegrenzte Bereiche. In der Tiefe sind dies einerseits der im Vordergrund scharf und hell zu Tage tretende Brunnen mit seinem Speier und dem Wasserstrahl, andererseits im Hintergrund die unscharfen Büsche, Bank, und Frau. Vertikal wird das Bild etwa gedrittelt; das untere Drittel wird durch den Brunnentrog und das daneben liegende Rasenstück gebilet, das mittlere Drittel ist zumindest rechts durch den Speier klar gegen oben begrenzt und enthält die Bank mit der Frau, das obere Drittel (im linken Bildteil die oberen beiden Drittel) werden durch die Büsche gebildet. Horizontal ist der Bildhintergrund ungefähr bildmittig in eine dunkle rechte Hälfte und in eine helle linke Seite gegliedert.

Der Abtropfpunkt des Speiers kommt ziemlich exakt auf den oberen rechten Drittelspunkt des Bildes zu liegen. Speier, der scharf gefrorene Wasserstrahl, die Brunnensäule, sowie ein Stück des Brunnentroges bilden ein Viereck, in welchem im Hintergrund die Frau zu erkennen ist. Die gedachten Verlängerungen der beiden längeren Brunnentrogseiten weisen in Richtung der Frau und grenzen diese ebenfalls ein. Der Pullover sowie die Haare der Frau sind die dunkelsten Bildelemente. Das hundertfach schillernde Bokeh des Busches in der linken Bildhälfte bildet dazu einen deutlichen Kontrast, der sich im leuchtenden Wasserstrahl im Vordergrund wiederfindet.

 

Warum mir das Bild gefällt

Wenn ich das Bild betrachte, kehrt mein Blick immer wieder zum Abtropfpunkt des Speiers zurück. Von dort wandert er in alle Richtungen, lässt sich vom schillernden Busch schmeicheln, oder folgt dem Wasser nach unten, oder gleitet dem Rand des Brunnentrogs entlang. Aber er kehrt immer wieder zum Abtropfpunkt zurück. Erst nach einiger Zeit wird auch das Bild der Frau ertastet und erforscht. Ich frage mich, was sie wohl macht, sie scheint sich auf etwas zu konzentrieren, das neben ihr auf der Bank liegt. Gleichzeitig macht sie aber auch einen recht entspannten Eindruck, die Hand locker auf das eine Knie gelegt. Vielleicht wird sie gleich aufschauen und in unsere Richtung blicken.

Dass die Frau eigentlich das Wichtigste im Bild ist, wird mir erst nach und nach klar. Die Linien kreisen sie zwar ein, aber, so unscharf, weit hinten, und dunkel wie sie erscheint, bleibt sie ein Stück weit im Geheimen – unerreichbar vielleicht.