Posted by on Wednesday, January 14, 2015 in All, Ein Bild | 0 comments

CMOX_GAL_00121

 

Aufnahmedatum 22. Dezember 2014, 14:30 Uhr
Aufnahmeort Schwarzwaldbrücke, Basel, Schweiz
Kamera Nikon D810
Objektiv Nikon 50mm f/1.4
Belichtung f/2.8, 1/100s, ISO 64
Blitz
Postprocessing Lightroom, Nik SilverEfex, Nik Sharpener

 

Bildbeschreibung

Das in hellen Tönen gehaltene s/w Bild zeigt die Fussgängerbrücke, welche hängend unter der neuen Eisenbahnbrücke über den Rhein konstruiert wurde. Eine dunkelhaarige Frau mit Sonnenbrille und dunkler Kleidung schreitet vom Betrachter weg Richtung Grossbasel, die Hände in den Taschen vergraben, den Blick leicht seitlich aufwärts gerichtet. Der Fussgängersteg wirkt tunnelartig, da er auf drei Seiten massiv begrenzt ist; oben und rechts durch Beton, der Boden ist geteert. Die galleriemässig geöffnete linke Seite, welche eigentlich den Blick auf den Fluss freigibt, wirkt vergittert durch das Stahlgeländer und die zahlreichen Metallstreben, welche den Steg halten. Das Ende des “Tunnels” erscheint als Viereck, in welchem Baumstämme (aber weder Wurzelansätze noch Teile der Kronen) zu erkennen sind – der Tunnel scheint auf einer gewissen Höhe über dem Boden zu enden.

Bildaufbau, Komposition

Mit dem Ende des “Tunnels” hat das Bild einen klaren Fluchtpunkt, zu welchem der Blick immer wieder hingeleitet wird. Dieser Endpunkt des “Tunnels” ist nicht wie in einem “richtigen” Tunnel hell, sondern eher dunkel. Entsprechend invers sind die Lichtverhältnisse im “Innern” des “Tunnels” – es ist da hell. Die Begrenzungen (Decke, rechte Seitenwand, Boden, Geländer) sind bilden farblich homogene Flächen in streng geometrischer Trapezform. Die Flächen sind durch klar hervortretende Linien voneinander abgegrenzt. Sowohl Flächen als auch diese Begrenzungslinien laufen auf den Fluchtpunkt zu und geben dem Bild die Tiefenwirkung.

Die Frau ist unterwegs zum Fluchtpunkt. Das vom Betrachter aus gesehen bereits zurückgelegte Stück des Weges ist wesentlich kürzer, als der Weg, den sie bis zum Fluchtpunkt noch vor sich hat. Ihre Haltung drückt entspannte Bestimmtheit aus, sie scheint nicht in Eile zu sein, aber ein klares Ziel zu haben. Sie scheint den Weg zu kennen.

Warum mir das Bild gefällt

Das Bild scheint klar und vermittelt vordergründig Zuversicht. Eine junge Frau geht sicheren und bestimmten Schrittes über die Brücke. Sie schaut nicht zurück, sie schaut nach vorn. Der Fussgängersteg ist solide aus Stahl und Beton gebaut, da gerät nichts ins Wanken.

Oder? Bei einer zweiten Betrachtung ist nicht alles so sicher wie es scheint. Die Decke irritiert das durch die strenge Geometrie geprägte Empfinden, da sie nicht weder eben noch gebogen, sondern zweimal in Längsrichtung geknickt konstruiert ist. Eine weitere Irritation stellt sich ein, wenn man beispielsweise der Linie folgt, welche die Decke von der rechten Seitenwand abgrenzt; man stellt fest, dass es keine Gerade ist. Über dem Kopf der Frau ist eine ordentliche Delle zu erkennen, und je näher zum Fluchtpunkt man der Linie folgt, desto mehr ist sie ein Bogen. Auch das Geländer weist einen vom Architekten so sicherlich nicht vorgesehenen Knick auf.

Die Frau geht auf der rechten Seite des Steges. Traut sie sich nicht näher an den vermuteten Abgrund beim Geländer? Sucht sie unwillkürlich Halt und Sicherheit in der Nähe der Betonmauer? Einen Halt und eine Sicherheit, die diese glatte, kalte, rohe Betonmauer nicht wirklich zu vermitteln vermag.

Warum trägt die Frau eine Sonnenbrille? Obwohl es hell ist, scheint die Sonne nicht, deutliche Schatten sind nicht auszumachen, es ist eher bedeckt. Die Frau möchte also nicht, dass man ihr in die Augen sieht. Was würde man da lesen?

Am Ende des Tunnels scheint die Strasse abzubrechen, es ist unklar, wie der Weg dort weitergeht, er endet einfach. Unbehaglich.

Wie weit ist es noch für die Frau bis zu jenem Ende? Man kann zwar recht klar abschätzen, dass die Strecke vom Betrachter bis zur Frau kürzer ist als jene, die sie noch vom Ende des Tunnels trennt. Aber hat sie schon einen Drittel der Strecke zurückgelegt, oder einen Viertel, oder weniger? Man ist versucht, die Streben links zu zählen, um abzuschätzen, wie weit der Weg noch ist, aber es sind zu viele, sie sind zu eng beieinander gegen das Ende des Tunnels, und sie zeichnen sich nicht mehr klar gegen den Hintergrund ab. Halten sie den Steg da vorne noch?